er hundertprozentig devote Sub hat es einfach. Für ihn ist es
selbstverständlich, seinen eigenen Willen, sofern er überhaupt erwägt, einen
solchen zu haben, seinem Dom zu unterwerfen. Er stellt die Anweisungen seines
Doms niemals in Frage, und und wenn dieser etwas mit ihm anstellt, dass ihm
eigentlich nicht so richtig zusagt - in dieser Situation oder überhaupt - ist
es ihm eine Freude, seine Unlust oder Abneigung zu überwinden und seinem Dom
mit Begeisterung zu Willen zu sein. Er bezieht sein Glücksgefühl daraus,
seinem Dom ein hingebungsvoller Sub zu sein, der vielleicht hin und wieder
etwas ablehnt, aber niemals zulassen würde, dass sein eigener Wille den des
Doms überlagert. Er ist voll und ganz bei der Sache, für ihn ist immer
richtig, was Dom wünscht und macht. Gedankengänge wie "eigentlich will ich
das jetzt nicht" oder "Augen zu und durch" sind ihm fremd.
Aber was ist, wenn Sub nur achtzig Prozent Devotismus aufweist? Oder fünfzig?
Oder zehn?
Null Prozent Devotismus sehen vielleicht ungefähr so aus - Sub sagt "schlag
mich dahin, fester, danke, und jetzt die Klammern an die Brustwarzen, bitte."
Und Dom macht. Mag sein, dass es Subs gibt, die sich ein Spiel so vorstellen.
Üblicherweise ist jedoch mehr oder weniger Unterwerfung dabei, und wenn sich
diese nur darin zeigt, dass Sub Dom keine Anweisungen erteilt, sondern
erteilen lässt - Dom macht, und Sub lässt machen. Nun hat Dom nicht immer die
Freundlichkeit, Sub zu fragen, ob Sub dies oder jenes auch möchte -
bestenfalls kündigt er seine Maßnahmen an, aber das heißt nicht, dass er eine
Meinungsäußerung seines Subs wünscht. Und wenn, dann wird ihn ein "das möchte
ich jetzt nicht" kaum davon abhalten. Das ist der Sinn des Spiels. Sub
unterwirft sich.
Damit ist nicht das Brechen von Tabus gemeint oder das Nicht-Beachten von
Safewörtern. Dom kann durchaus innerhalb der abgesteckten Grenzen bleiben und
nichts tun, das Sub grundsätzlich ablehnt. Trotzdem kann Sub feststellen,
dass es ihm zu viel oder zu heftig wird. Eigentlich möchte Sub ja unterwürfig
sein und durchhalten. Aber das, was Dom gerade macht, entspricht nicht dem,
was Sub gerade möchte. Und dann?
Angenommen, Sub wird gefesselt, so fest, dass zwar die
Blutbahnen nicht abgeschnürt werden, die Fesselung aber trotzdem unangenehm
ist. Nun kann Dom sagen "dafür ist eine Fesselung ja da". Richtig - aber
sofern das Spiel nicht einzig im Selbstzweck der Fesselung besteht und Dom
noch andere Handlungen an Sub vornimmt, kann es passieren, dass Sub seine
Aufmerksamkeit notgedrungen auf die unangenehme Fesselung richtet und nicht
auf das, was Dom sonst noch tut. Die Seile kneifen, die Arme oder Beine sind
verdreht, es ist nicht wirklich schlimm, aber trotzdem... Sub kann vielleicht
den Rest des Spiels eben deswegen nicht genießen.
Oder die Schläge sind hart, vielleicht nicht härter als sonst, aber heute
empfindet Sub sie einfach als schmerzhafter. Das üblicherweise durch die
Schläge hervorgerufene Wohlgefühl will sich nicht recht einstellen, es tut
einfach nur weh - aber auch nicht so weh, dass Sub es wirklich nicht mehr
aushält.
Nun kommt es auf das Ausmaß des Devotismus an. Bei dem einen mag der Gedanke
vorherrschen "das will ich jetzt nicht". Jedenfalls nicht so. Es ist zu viel
oder zu heftig, um Lust zu entwickeln, und Sub fragt sich, warum er das
mitmacht. Seine Unterwerfung ist darin begrenzt, dass er sich fesseln lässt
und den Mund hält, aber er sieht nicht ein, etwas auszuhalten, das ihm keine
Lust bereitet. Also bricht Sub das Spiel ab.
Oder Sub denkt "Augen zu und durch". Sub spielt schließlich nicht nur, um
Spaß zu haben. Er will auch leiden, und Unterwerfung bedeutet für ihn, auch
einmal etwas durchzuhalten, das ihm nicht Lust bereitet. Er möchte, dass Dom
ihn so sehr demütigt, ihn so hart behandelt, dass es gerade noch innerhalb
seiner Grenzen liegt oder sie sogar überschreitet, und er verkneift sich das
Safewort mit voller Absicht. Er will Grund zum Heulen haben, sich selbst leid
tun, und hinterher getröstet werden, dass er so tapfer war und so viel
ausgehalten hat.
Es gibt Subs, die bezeichnen sich selbst als masochistisch, andere nennen sich lieber devot. Tatsächlich sind die meisten von uns beides, mehr oder weniger. So wie die einen eher den Schmerz genießen, genießen die anderen eher die Unterwerfung. Der Punkt des Übergangs von dem einen zum anderen liegt bei jedem anders. Passiv zu sein ist nicht nur eine Frage der körperlichen Befriedigung, auch der seelischen und geistigen Hingabe. Sich dem Unangenehmen zu beugen, sich dem Tun seines Doms hinzugeben, seine Handlungen als positiv empfinden zu wollen kann ebenso befriedigend sein wie körperlicher Genuss. Manchem Sub ist dies nicht gegeben - aber er kann es lernen, wenn er es möchte. Passivität ist das Gegenteil von Selbstbestimmung, egal ob man sie Gehorsam, Unterwerfung oder Hingabe nennt. Je mehr du dich deinem Dom auslieferst, dich seinem Willen beugst, dich im Spiel preisgibst, um so tiefer kann deine Empfindung sein - sofern es dein Wunsch ist, noch devoter, gefügiger, demutsvoller zu sein, als du es schon bist. Aber das ist deine Sache.