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wie man eines Tages feststellt, dass man eine Neigung zum BDSM hat - sei diese
nun eher devot oder eher masochistisch - so kann auch der Tag kommen, an dem man
herausfindet, dass die Neigung verschwunden ist.
Man kann Schmerz nicht mehr aushalten, der Körper wehrt sich gegen die leiseste
Annäherung, die in Züchtigung enden könnte, man möchte sich schützen, behüten
und in Watte packen - als wäre man nie masochistisch gewesen.
Statt gedemütigt zu werden, möchte man respektvoll behandelt werden. Statt auf
die Knie zu sinken und zu fragen, ob man atmen darf, möchte man aufstehen und
fordern "Achte mich! Ich bin wertvoll!" Jede Form von Erniedrigung empfindet man
als nicht länger akzeptable Entwürdigung seines Selbst.
Was gestern noch lustvoll war und dich mit Stolz erfüllte, ist heute nicht
mehr vorstellbar, hat keinen Platz mehr in deinem Leben. Und du hast keine Ahnung,
was passiert ist und wie du damit umgehen sollst. Du weißt nur, dass du so nicht
weitermachen kannst.
Stell dir ein paar Fragen:
Hast du gedacht, BDSM sei dir in die Wiege gelegt worden und bliebe bei dir
bis zum Tag deines Todes? Hast du gedacht, du seiest ein echter SMler und als
solcher könntest du deine Neigung nicht verlieren?
Nun, anscheinend hast du dich geirrt. Anscheinend bist du am Ende deines Wegs
durch die dunkle Welt des BDSM angekommen und möchtest zurück ins Licht. Nun,
dann geh doch. Sei versichert, das Leben geht auch ohne BDSM weiter. Wenn du keine
Lust mehr auf den perversen Kram hast, dann lass es. Niemand zwingt dich, also
warum solltest du es tun?
Möglicherweise hast du dich aber auch nur verlaufen. Möglicherweise hast du mehr
erlebt, mehr gesehen als du verkraften kannst. Dann lege eine Pause ein, ruhe
dich eine Weile am Wegesrand aus, denke über die Wegstrecke nach, die du zurückgelegt
hast, und wäge deine nächsten Schritte ab.
Vielleicht ist es an der Zeit, dir einen anderen Weggefährten zu suchen. Vielleicht
findest du Landschaften, die du bisher übersehen hast. Vielleicht brauchst du
einen Kompass oder einen Wegweiser, damit du dich auf deinem Weg zurechtfindest.
Vielleicht reicht es schon, wenn du einfach etwas langsamer gehst.