ine dominante Ader zu haben, ist ja nicht weiter schwierig. Man
stellt fest, dass man gern Befehle gibt, man hätte gern, dass sie befolgt
werden, aber man hat auch nichts dagegen, wenn sie nicht befolgt
werden, weil man dann so schön bestrafen kann. Manch einem ist die Dominanz in
die Wiege gelegt worden - "Was ich sage, wird gemacht, und zwar am besten
gestern" - und er freut sich, wenn er entdeckt, dass es Leute gibt, unter
denen er nicht als Macho oder Chauvi gilt, sondern einfach nur als Dom. Der
Bestimmer. Der, der sagt, wo es langgeht. Und dazu findet er unter diesen
Leuten solche, die sich das gefallen lassen, ja mehr noch - die Spaß daran
haben, Befehlen zu gehorchen (oder auch nicht), die bestraft werden wollen und
sich der Dominanz beugen. Jedenfalls meistens.
Die Dominanz im Alltag zu leben, ist die eine Sache. Erst schubst man seine
kleine Schwester rum, später die Loser auf dem Schulhof, und noch später die
Untergebenen am Arbeitsplatz (außer man hat das Pech und ist selbst ein
solcher). Entweder haben die Leute Respekt oder sie zeigen einem den
Mittelfinger - aber wer so richtig dominant ist, lässt sich solches Benehmen
nicht gefallen. Zumindest nicht von jedem.
Die andere Sache ist aber nun, es mit einem Sub zu tun zu haben. Dieser ist
mit Befehlen wie ""Räum mein Zimmer auf" oder "Geh mal Kaffee kochen" nicht
lange zufrieden zu stellen. Und zur Strafe Barbie-Puppen die Köpfe abzureißen,
wird Sub auch nicht wirklich als Demütigung ansehen. Dom muss also irgendetwas
mit Sub anstellen, damit dieser sich richtig dominiert fühlt.
Möglich, dass Dom einen Sub erwischt hat, dem es reicht, zur Strafe
stundenlang zu Füßen seines Doms zu knien. Allerdings steht zu befürchten,
dass der Sub eine wenn auch klitzekleine masochistische Veranlagung hat. Dann
könnte es sein, dass ihm der Schmerz, den das stundenlange Knien verursacht,
nicht so ganz ausreicht.
Dass Strafe vorzugsweise aus Zufügung von Schmerz besteht, hört sich in der
Theorie ganz sinnvoll an. Aber was, wenn Sub nicht bloß ein bisschen bestraft
werden will, sondern tatsächlich Schmerz wünscht? Wenn Sub so richtig maso
ist?
![]()
In der Fantasie hat Dom sich vielleicht vorgestellt, was er alles mit seinem Sub anstellen wird. Aber es kann gut sein, dass die Vorstellungen von Sub und Dom nicht ganz deckungsgleich sind. Sub hat Erwartungen, die Dom durchaus erfüllen möchte, und Dom stellt sich ein paar Fragen -
Es ist für einen nichtmasochistischen Menschen schwer
vorstellbar, aber Sub genießt den Schmerz wirklich, sofern er masochistisch
ist. Der Schmerz verursacht intensives Gefühl in ihm, den er - zumindest zum
großen Teil - in pure Lust umsetzt. Es ist natürlich eine Kopfsache; Sub muss
sich auf das Empfangen von Schmerz erst einstellen, einen Hammer auf den
Daumen zu bekommen tut ihm genauso unangenehm weh wie jedem anderen Menschen.
Aber den Schmerz von einem Partner zugefügt zu bekommen, den man liebt oder
dem man wenigstens vertraut, ist erregend und befriedigend. Sub heißt den
Schmerz willkommen und erfreut sich an ihm.
Auch der devote Sub nimmt den Schmerz hin, auch wenn er vielleicht keine
sexuelle Erregung daraus zieht. Er möchte seinem Dom gefallen und sich seinem
Willen beugen, also freut es ihn, wenn Dom daran Gefallen findet, ihn zu
züchtigen. Dieser Sub möchte vielleicht eher weniger Schmerz haben - aber ohne
Strafe käme er sicher nicht aus. (Ein Geheimnis: Manche Subs brauchen einen
Grund, um sich Schmerz zufügen zu lassen. Auch wenn der Grund nicht wirklich
ein Grund ist und Dom nur behauptet, es wäre einer.)
Es mag Dom schwer fallen, dem geliebten Menschen Schmerz zuzufügen - er möchte
den Körper, an dessen Anblick er sich erfreut, nicht verletzen. Aber es liegt
ein Unterschied im Zufügen von Verletzungen und körperlichem Schaden - darauf
kann Sub gut verzichten - und Zufügen von momentanem, gewolltem Schmerz. Kein
Dom wird sofort mit voller Wucht zuhauen - jeder muss erst lernen, wie sich
Peitschen, Gerten, Klammern auf dem Körper des Subs anfühlen. Es schadet
nichts, Sub danach zu fragen, auch während des Spiels, zumal wenn Sub und/oder
Spielzeug neu sind. Zum anderen hat Sub sein Safewort, und Dom sollte sich
darauf verlassen können, dass er es auch benutzt.
Auf Lustschmerz und
BDSM How-to z.B. stehen
viele Texte über Dinge, die man machen kann, zum Teil mit genauer Anleitung,
und dort erfährt man auch, was man auf keinen Fall tun sollte und wie man
Schäden verhindert. Es bricht dem Dom auch keinen Zacken aus der Krone, andere
Doms zu fragen - aber nur solche, die nicht nur ihr Handwerk verstehen,
sondern auch daran denken, dass der Sub ein menschliches Wesen ist.
Selbstverständlichkeit? Von wegen. Nicht die Erfahrung macht den guten Dom
aus. Der Mensch macht es.
Gut, wenn Dom an einen Sub gerät, der selbst noch nicht viel Ahnung hat. Dann
kann man gemeinsam lernen und ausprobieren, was es alles für Sachen gibt, die
Dom an Sub anwenden kann. Außerdem ist die Schmerzgrenze des Subs noch recht
niedrig, und Dom muss nicht gleich allzu heftig an die Sache herangehen.
Aber auch wenn Sub ein bisschen mehr Erfahrung in Schmerzensdingen mitbringt,
sollte Dom fragen, was Sub wünscht und wie. Natürlich ist Dom kein
Erfüllungsgehilfe - aber er kann auch nicht erahnen, welche Art von Schmerz
Sub schätzt und welche nicht. Der Sub im Allgemeinen möchte nicht immer nur
sanften Schmerz haben - er möchte an seine Grenzen geführt werden. Es reicht
ihm nicht, wenn es nur ein bisschen wehtut - es soll schon richtig
wehtun. Also: langsam anfangen und stetig steigern - innerhalb von Wochen oder
auch Monaten. Sich Zeit zu lassen, ist immer das Wichtigste - einmal
angerichteter Schaden durch zu heftiges Spiel ist vielleicht nicht mehr zu
beheben.
Sobald sich Sub darauf verlassen kann, dass Dom sich an Safeworte und Tabus
hält, hat sich das mit dem Erfüllungsgehilfen ohnehin erledigt. Sub weiß, dass
Dom ihn nicht "überfallen" wird, solange er wehrlos ist und sich nicht über
Absprachen hinwegsetzen. Kein Sub wird sich einem Dom öffnen, dem er nicht
vertrauen kann - erst das Vertrauen, die Nähe, das gemeinsame Verständnis von
SM schafft die Grundlage für Wagnisse und das Ausprobieren von Neuem. Dann
steht Dom Tür und Tor auf, seinem Willen freien Lauf zu lassen. Und dann kann
auch Dom sich fallen lassen - er hat die Sicherheit, dass er Dinge tut, die
seinem Sub gefallen, er muss keine Sorge haben, ihn unabsichtlich zu
verletzen, und er wird die Freude daran entdecken, seinem Sub Reaktionen zu
entlocken - lustvolle und qualvolle - , die er ohne Züchtigung niemals erleben
würde.
Ist das nicht ein guter Grund, Sadist zu werden?