Vorsicht, Fake! - Von Dummdoms und allzu willigen Sklaven

fake /feIk/ a falsch -n Fälschung f;
(person) Schwindler m -vt fälschen;
(pretend) vortäuschen


Wer im Internet chattet, muss damit rechnen, dass er im Chat hin und wieder einem Fake begegnet, egal welche Art Chatraum er aufsucht. Im allgemeinen verrät sich ein Fake recht schnell. Wer keine Ahnung von der aktuellen Spieleraufstellung Borussia Dortmunds oder den diversen Klassen von Harley Davidson hat, dürfte wohl herzlich wenig Kenntnisse von Chat-Thema besitzen. Wer einen SM-Chat mit den Worten "Suche Dom-Frau aus Köln-Kalk" betritt, macht sich ebenfalls verdächtig. Solche Leute werden mit spöttischen Worten bedacht und/oder nicht weiter beachtet. Schwierig wird es, wenn ein Fake sich genug theoretisches Wissen angeeignet hat, um nicht sofort aufzufallen, und man sich ahnungslos auf ein ernsthaftes Gespräch mit ihm einlässt. Dabei sind diese Fakes durchaus an SM interessiert - nur eben nicht an praktischen Erfahrungen. Das theoretische Spiel mit dem Feuer reicht ihnen voll und ganz. Sie wollen wissen, wie so ein SMler, das Wesen vom anderen Stern, funktioniert und ob das, was auf dem SM-Seiten im Netz steht, wirklich stimmt.

Besonders bösartige Fakes treiben es an die Spitze: Sie versuchen zu verunsichern, zu dominieren und Herzen zu brechen, durch Chat, ICQ, Email und Telefonate, und meinen doch nichts davon ernst. Manche von ihnen schaffen es, ihr virtuelles Gegenüber so in den Bann zu ziehen, dass dieser jedes Wort glaubt, ziehen das böse Spiel über Monate hin und lassen ihr Opfer am Ende verletzt an Herz und Seele zurück.


Der Dummdom

Solcher hält sich im allgemeinen eher an den unerfahrenen, vorzugsweise devoten Sub, weil er ihn für leichter zu beeinflussen hält. Charmant-dominant erfragt er Einzelheiten, sofern er diese nicht aus dem in manchen Chats vorhandenen Profil erfährt: Wie alt? Woher? Wie groß? Was für eine Figur? Sub beantwortet diese Fragen, weil Dummdom ihm einredet, dass Dummdom ein Recht auf solche Fragen hat, und außerdem ist ja nichts dabei. Dummdom richtet seine eigenen, oft frei erfundenen Angaben nach diesen Einzelheiten -  er wird nicht viel älter oder jünger sein, weit genug entfernt wohnen, und zufällig sagen die Maße des Subs dem Dummdom einigermaßen zu. Hat Sub erst einmal neugierig-überrumpelt ICQ-Nummer oder Email-Adresse herausgerückt, geht es los.
Dummdom wird sich einen Spaß daraus machen, zu sehen, wie weit er Sub beeinflussen kann, indem er Befehle loslässt:

  • "Schreib mir deinen Tagesablauf auf"
  • "Rasiere deinen Schambereich"
  • "Trag keine Unterwäsche mehr"

und das alles unter der Prämisse "ein guter Sub gehorcht einem Dom" oder "wenn du mein Sklave sein willst, muss ich alles von dir wissen und habe das Recht, dich zu erziehen". Wirft Sub den Vorschlag ein, dass man sich doch mal treffen könnte, weist Dummdom darauf hin, dass er bestimmt, wann und wo sich getroffen wird, und dieser Zeitpunkt ist jedenfalls nicht jetzt. Das geht so lange, bis er simpel genug hat und/oder ihm nichts mehr einfällt. Dann lässt er entweder nichts mehr von sich hören, oder Sub bekommt den Spruch zu hören: "Du bist mir zu alt / zu hässlich / zu dick / zu ungehorsam / zu devot, mir dir kann ich nichts anfangen." Und weg ist er.


Der allzu willige Sklave

Dieser scheint eher weiblichen Geschlechts zu sein (vielleicht weil Dommes nicht so leicht aufs Glatteis zu führen sind?) und noch ein bisschen raffinierter als der Dummdom. Im Gegensatz zu ihm, der "nur" dominant zu sein hat, um sein Ziel zu erreichen, muss die willige Sklavin ihre Tricks und Schliche hinter der devoten Maske verstecken, am einfachsten durch ausweichende Antworten und Gegenfragen.

  • "Woher kommst du?" - "Erzähl ich dir später, und du?"
  • "Wie alt bist du?" - "Anfang zwanzig, und du? Erzähl doch erst mal was von dir!"
  • "Wie groß bist du?" - "Wie groß möchtest du mich denn?"

Doms, besonders männliche, haben ihr Idealbild (meist 50 kg, 150 cm, niedlich - Achtung, Ironie), und die willige Sklavin wird diesem Bild erstaunlicherweise perfekt entsprechen. Die willige Sklavin ist bereit, genau so viel von sich zu erzählen, dass die Neugier des eroberungsfreudigen Doms nicht abreißt, hat gerade soviel Erfahrung, dass der Dom ihr noch eine Menge beibringen kann, und ist gerade so frech und aufmüpfig, dass der Dom der Meinung ist, hier wäre Erziehung dringend nötig. Nur zu einem ist sie nicht bereit - zu einem persönlichen Treffen. Und wenn doch, dann kommt sie nicht. Der ernsthaften Begründungen gibt es viele:

  • Die Oma kommt zu Besuch
  • Der Hund ist krank
  • Die Fingernägel müssen lackiert werden

Aber beim nächsten Mal klappt es bestimmt - oder auch nicht. Nach Wochen oder Monaten kommt das unverhoffte Ende: Entweder sie gibt zu, dass alles nur gelogen war. Oder der Dom ist Schuld - er ist einfach nicht ihr Typ, er baggert zu viele andere an, er hat zu viel oder zu wenig Erfahrung oder die falsche Neigung. Diese willige Sklavin wird sich innerhalb weniger Tage einen neuen Nick zulegen und das gleiche Spiel von vorn beginnen. Es sind schon Doms mehrfach auf die gleiche allzu willige Sklavin hereingefallen.


Der gutgläubige, ernsthafte Chatter ist nicht davor gefeit, auf einen Fake hereinzufallen. Aber es gibt ein paar Anzeichen, die ihn stutzig werden lassen und dazu bringen sollten, sein Gegenüber mit ein wenig Misstrauen zu betrachten.

Bilder: Schickt die willige Sklavin ein Bild, sieht sie darauf aus wie die perfekte Mischung zwischen Mila Kunis und Rihanna in Handschellen und ist das Foto professionell gemacht? Mit ziemlicher Sicherheit stammt dieses Foto aus den Tiefen des Internets. SMler sehen eher selten wie Supermodels aus und machen ihre Fotos selbst. Tipp: Professionelle Fotografen versehen ihre Fotos oft mit unsichtbaren Wasserzeichen, auch Digimarcs genannt. Manche Grafikprogramme wie Photo Impact können diese sichtbar machen.
 Oder ist das Gesicht auf dem Foto versteckt oder verfremdet? Solche Fotos eignen sich für Chat-Profile oder Webseiten. Einem Menschen, mit dem man es ernst meint, sollte man schon ein aussagekräftiges Foto schicken.

Kenntnisse über Locations und Leute: Wer von sich behauptet, sich im SM bestens auszukennen, war mit Sicherheit schon einmal auf einer öffentlichen SM-Fete, einer privaten Party, einem Chatter-Treffen, einem Stammtisch oder in einem Fetisch-Laden. Oder er kennt jemanden, der jemanden kennt, der einen Freund hat, den man selbst kennt. Die deutschsprachige SM-Szene ist zwar recht vielfältig, aber auch übersichtlich. Mit ein bisschen Nachfragen hat man bald heraus, ob jemand die Locations nur auf Webseiten angesehen hat.

Keine Zeit: Dass man sich nicht leicht auf Treffen zu zweit in den eigenen bzw. fremden vier Wänden einlässt, ist nachvollziehbar. Aber der Fake ist auch sonst für keine Aktivität zu haben. Die Party ist zu weit weg, die Leute am Stammtisch mag man nicht, notfalls geht morgens das Auto kaputt, und bist du mal in seiner Gegend, ist er garantiert gerade ganz woanders. Hauptsache, man findet eine Ausrede, warum man nicht in der Öffentlichkeit erscheinen muss.

Übertriebene Ansichten: Sucht der Dom nach einem Sklaven, der immer nur auf dem Boden kriecht? Der nur atmet, wenn man es ihm erlaubt? Der weder Safewort noch Tabus noch SSC für sich in Anspruch nimmt? Ansichten eines Dummdoms. Bietet die allzu willige Sklavin an, ebensolches zu tun? Es mag ja sein, dass manche Doms tatsächlich von einer solchen Sklavin träumen. Im richtigen Leben möchten sie aber eher eine Frau mit Ecken und Kanten und eigenem Willen.


Es bringt eher wenig, jemandem die Augen öffnen zu wollen, der einem Fake erst einmal auf den Leim gegangen ist. Warnungen wie "der meint es doch nicht ernst, pass bloß auf" werden in den Wind geschlagen. Man will einfach glauben, dass der andere echt ist, nachdem man ihm so viel von sich offenbart hat. Und es ist durchaus möglich, sein Herz an jemanden zu verlieren, den man nur virtuell oder vom Telefon kennt. Man ersetzt die fehlenden Puzzleteilchen, die den ganzen Menschen ausmachen, durch die Kraft der Fantasie und bastelt sich so den idealen Partner, der nur einen Fehler hat - es gibt ihn nicht. Nachdem der Betrogene aus der Fantasie erwacht ist und erkannt hat, dass er das Opfer einer bösen Lüge ist, bleibt nur noch trösten und hoffen, dass er das nächste Mal etwas schlauer ist und etwas genauer hinsieht.

 
 
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